„Arbeit und Konsum“ als Brücke zwischen Schule und Beruflicher Weiterbildung
Ein ganz besonderes Weiterbildungsprojekt für Schülerinnen und Schüler ist erfolgreich in Göppingen durchgeführt worden. Zum Schuljahrsende fand die Zertifikatsübergabe an 56 Schüler/innen in feierlichem Rahmen an der Volkshochschule statt.![]() Grundidee Gerade für Schülerinnen und Schüler von Hauptschulen ist es schwierig, einen Ausbildungsplatz zu finden. Hier können Volkshochschulen gut unterstützend tätig werden. Ziel dieses Projekts ist es, die Schülerinnen und Schüler auf das Berufsleben vorzubereiten. Dazu sollen sowohl Leistungsorientierung und die Fähigkeit zur Zielorientierung gestärkt als auch ein grundlegendes Verständnis von Wirtschaft vermittelt werden. Als anschauliches Beispiel, das bei den Schülerinnen und Schülern positiv besetzt ist, dient ein Sportverein: vhs-Kursleitende und eine Profi-Sportlerin vermitteln, wie der Verein als Wirtschaftsunternehmen funktioniert und wie die Leistung des Teams dies ermöglicht. Pilotprojekt Diese Projektidee konnte nun mit Unterstützung durch das Kultusministerium Baden-Württemberg von Volkshochschulverband und Volkshochschule Göppingen umgesetzt werden. Dazu wurde die Profi-Handballerin Birute Stellbrink des Vereins Frisch-Auf-Göppingen engagiert, um als Dozentin der Göppinger Volkshochschule mehrere Lehreinheiten im Bereich „Leistungs- und Zielorientierung“ zu unterrichten. Zwei Kursleiter der Volkshochschule übernahmen die wirtschaftlich orientierten Themen. Die Volkshochschule führte das Projekt mit der Göppinger Albert-Schweitzer-Hauptschule durch. Um Eltern und Lehrer/innen zu informieren, bot die Volkshochschule eine Veranstaltung an, an der über 120 Personen teilnahmen. Diese positive Resonanz schlug sich auch im Kursbesuch nieder: Drei Klassen mit insgesamt 56 Schüler/innen nahmen am Projekt teil. Als Abschluss des Projekts wurde eine Online-Prüfung durchgeführt. Für die bestandene Prüfung erhielten die Schüler/innen ihr erstes Xpert Business Zertifikat. Erfahrungsbericht (aus der Südwest Presse) Am Anfang waren die Schüler/innen noch etwas distanziert. Sie konnten nicht so recht etwas mit der blonden, sportlichen Frau anfangen, die da vor ihnen stand und aus ihrem Leben erzählte. Zwar wissen die Schüler/innen, dass sie aus Litauen stammt, Profi-Handballerin bei der Bundesliga-Mannschaft Frisch-Auf-Frauen ist - und sie können sich vereinzelt sogar noch an den Namen erinnern: Birute Stellbrink. Mehrfache Nationalspielerin für Litauen, in Göppingen seit 2009 am Ball.Nervosität zunächst auf beiden Seiten. "Was will uns die Sportlerin von Arbeit und Konsum erzählen?", scheinen sich die Schüler/innen zu fragen. Und auch für Birute Stellbrink war es ungewohnt, vor einer Klasse zu stehen, die etwas über "Arbeit und Konsum" wissen will - so heißt der Xpert-Business-Kurs. Was also hat Birute Stellbrink mit dem Thema zu tun? Disziplin, Ausdauer, die Kräfte einteilen - das alles gelte für den Sport wie für den Beruf. Nur so sei man erfolgreich, berichtet Birute Stellbrink. So sei das auch bei ihr gewesen, wenn es auch nicht immer einfach gewesen sei: Aufgewachsen in einem kleinen Ort in Litauen, der Vater selbst aktiver Sportler, ein Basketballer. Er hat die Tochter gefördert, aber auch gefordert. Die Unterstützung der Eltern war ihr gewiss, solange die Leistungen in der Schule gestimmt haben. Birute Stellbrink ist ehrgeizig, und darum hat sie sowohl im Sport als auch in der Schule Gas gegeben. "Soweit, so normal eigentlich", dachten die Schüler/innen, die mittlerweile durchaus interessiert den Worten der heute 30-jährigen Handballerin zuhörten. Training war für Birute Stellbrink immer Pflicht, sie wollte Handballprofi werden. Dazu gehöre viel Disziplin - während der Pubertät war das gar nicht so einfach, wie sie zugibt. Zudem habe sie als jüngste Spielerin im Team am Trainingsende die Bälle einsammeln müssen. Der Trainer war sehr streng und eine Respektsperson mit sehr viel Autorität. Aber genau das war ihr Ansporn. Sie wollte auch erfolgreich sein, auch zu den älteren gehören, anerkannt sein und nicht mehr nur die Bälle aufräumen. Heute sagt sie: "Das hat mich geprägt, und auch der Trainer hat mich damit nur noch mehr motiviert." Als sie nach Deutschland kam, ein erfolgreiches Bundesliga-Team hatte sie in die Bundesrepublik geholt, hat sie versucht, die Sprache schnell zu lernen - und sie wollte studieren. Aber es war nicht einfach: Die schwierige Gastfamilie, das Training, Spiele, Studium. "Ich bin am Tag 200 Kilometer gefahren", erzählt Birute Stellbrink. Erst an die Hochschule, dann ins Training. Aufstehen: 6 Uhr morgens. Nach Hause kommen: gegen Mitternacht. Das lässt die Schüler/innen aufhorchen, sie sind sichtlich überrascht über so viel Disziplin und wirken plötzlich nachdenklich. Birute Stellbrink hatte damals Heimweh, nach der Familie, ihrem Freund. Doch sie wollte das Team - sportlich lief es zudem überhaupt nicht gut - nicht im Stich lassen und hat die Zähne zusammengebissen. Heimweh? Sportler haben Heimweh? Die Schüler/innen mögen es kaum glauben. Inzwischen hat Birute Stellbrink übrigens erfolgreich Erziehungswissenschaften studiert. Perspektiven für Schüler/innen Die Xpert Business Abschlüsse erfahren in der Wirtschaft steigende Akzeptanz. Über eine Kooperation mit dem Management-Zentrum der Handwerkskammer Konstanz können Xpert Business Absolventinnen und Absolventen bestimmter Module ohne Nachweis weiterer Vorkenntnisse die Zulassung zu den dortigen Betriebs- und Fachwirtstudiengängen erhalten. Schülerinnen und Schülern öffnet diese Kooperation neue Weiterbildungswege. Das kann für Hauptschüler/innen eine interessante Perspektive sein, auch oder gerade dann, wenn sie keine Lehrstelle finden. Ein Projekt wie dieses kann diese Möglichkeiten bewusst machen und einen Einstieg in die Weiterbildung eröffnen. Unabhängig davon ist ein außerschulisches Zertifikat für Schülerinnen und Schüler insbesondere für Bewerbungen um eine Lehr- oder Arbeitsstelle wichtig. Sie erhalten damit eine anerkannte Bewertung ihrer Leistung im System der Beruflichen Weiterbildung und zeigen dem zukünftigen Arbeitgeber, dass sie neben dem Schulunterricht auch Eigeninitiative ergriffen haben. Auf unserer Xpert Business Website finden Sie weitere Informationen über die verschiedenen Angebote für Schüler/innen aller Schularten: ![]() www.xpert-business.eu/schule |



Am Anfang waren die Schüler/innen noch etwas distanziert. Sie konnten nicht so recht etwas mit der blonden, sportlichen Frau anfangen, die da vor ihnen stand und aus ihrem Leben erzählte. Zwar wissen die Schüler/innen, dass sie aus Litauen stammt, Profi-Handballerin bei der Bundesliga-Mannschaft Frisch-Auf-Frauen ist - und sie können sich vereinzelt sogar noch an den Namen erinnern: Birute Stellbrink. Mehrfache Nationalspielerin für Litauen, in Göppingen seit 2009 am Ball.